6
Aug
2023
44

Renato

Lumpi, Dino, Argo, Leo … und jetzt also Renato. Ja, die Vierbeiner hier oben im Paradies haben es mir angetan. Lumpi, das Stierkalb, das mich um den Finger gewickelt hat, Dino, den ich immer mit Siro verwechselt habe, Argo, der mich mit seinem Tempo beeindruckt und Leo, mein Lieblingshund hier in Scheid (das muss aber unser Geheimnis bleiben! Versprochen?), der mich nach Lust und Laune besucht und mich zum Spaziergang auffordert. Und jetzt also Renato. Ich lebe ja bekanntlich an einem Ort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. So lautet die Redewendung. Tatsächlich sind es Fuchs, Dachs, Marder, Hirsch, Reh, Eidechse und – wenn man die Bauern reden hört – vielleicht auch ein Wolf. Dem möchte ich allerdings lieber nicht gute Nacht sagen. Item.

Wer klaut da Max‘ Käserinde?
Meine erste Begegnung mit Renato war eher ein Zufall. Ich war am Abwaschen, als mein Blick aus dem Küchenfenster schweifte. Und wer sieht mich da aus seinen fuchsbraunen Augen an? Renato. Er hatte sich eben die kleinen Stückchen Käserinde geschnappt, die ich für den Eichelhäher Max in die Wiese vor dem Küchenfenster geworfen hatte. So ein Fuchs aber auch. „Halt!“, rief ich ihm zu, „das ist nicht für dich, du Fuchs“. Statt sich beschämt von dannen zu machen, hielt er meinem Blick stand und schien zu sagen: „Hey, sorry, aber da stand nirgends geschrieben, dass die Rinde für Max sei. Jetzt hab‘ ich sie schon verschlungen. Und überhaupt: Den Max hast du ja im Winter mit Vogelfutter verwöhnt. Also dacht‘ ich mir, jetzt sei ich an der Reihe“. Ich war perplex und – offen gestanden auch ziemlich angetan von seiner Schönheit, was ich ihn aber nicht merken liess -, wünschte ihm einen schönen Abend und schloss das Küchenfenster.

Renato – schlau wie ein Fuchs?
Am nächsten Abend – jetzt war ich vorbereitet – das gleiche Spiel. Ein Stück Käserinde rausgeworfen, Max erwartet, aber der Fuchs war schneller. Dieses Mal schien er mir sogar zuzuwinkern und zu sagen: „Hey, nicht umsonst sagt ihr Menschen, jemand sei schlau wie ein Fuchs.“ Wo er recht hat, hat er recht, dachte ich mir und taufte ihn Renato. Renato kommt seither regelmässig vorbei und erkundigt sich höflich nach Käserinde. „Sorry Renato“, sag‘ ich dann, „Käserinde ist aus.“ Schliesslich soll man ja Wildtiere nicht füttern. Trotzdem versucht er es immer wieder. Er schnüffelt rum, schaut zum Küchenfenster und scheint zu fragen: „Hey, war Max etwa heute schneller als ich? Das darf doch nicht wahr sein.“

Ich zucke dann jeweils mit der Schulter und winke ihm zu. Wenn er schliesslich mit beleidigter Miene von dannen tappt, frage mich, ob die Redewendung vielleicht doch nicht ganz so berechtigt ist. Oder was meinst du?

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