27
Nov
2022
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Ein Neuer nach Lumpi?

Okay, es hat eine Weile gedauert, aber gestern habe ich endlich wieder einmal eine Abendschicht im Stall mitgemacht. Du erinnerst dich: Ausmisten, Stroh im Jungstiere-Gehege verteilen, den Kälbern neben dem Freilaufstall Milch bringen, Daische (= Kuhfladen) von den Liegeplätzen schaben, Baby-Kälber in Sicherheit bringen, wenn Johann das Stroh runterwirft, Wasser nachfüllen und und und. Die Abendschicht ist lang, knallhart (also vor allem das Ausmisten, weil ich nach wie vor befürchte, aus Gründen der Schwerkraft irgendwann einmal mit der vollen Schubkarre im Misthaufen zu landen), aber sehr bereichernd. Bei allen Arbeiten komme ich den Tieren sehr nah, wir tauschen uns aus und machen miteinander «s’Chalb», wenn ich mir dieses Wortspiel erlauben darf.

Was fragst du?!

Ob ich nach Lumpi einen neuen Liebling habe, fragst du? Ernsthaft jetzt? Wie kannst du auch nur im entferntesten an so etwas denken? Mir scheint, dass du die tiefe Bindung zwischen Lumpi und mir nicht verstanden hast oder zu wenig ernst nimmst. Nein, ich habe noch keinen neuen Favoriten. Ich trauere meinem süssen, widerspenstigen, aufdringlichen, treuen, kräftigen, eifersüchtigen Lumpi immer noch nach. Obwohl schon der nächste Lumpi mit seinem süssen Köpfchen, seinem treuherzigen Blick und seinen Kapriolen mein Herz erobern könnte. Aber du hast richtig gelesen: könnte. Konditional, nicht Indikativ. Also Möglichkeitsform, nicht Wirklichkeitsform. Wobei er tatsächlich auch Lumpi heisst und mit Luna das gleiche Mami hat wie mein Lumpi selig. Der Grund dafür ist weniger romantisch, als ich ursprünglich annahm. Maria tauft die männlichen Babys einer Kuh nämlich immer gleich, weil die ja früher oder später ohnehin «in die Ferien gehen» (schluck).

 

Heiliger Heuballen!

Aber nein: Auch Lumpi 2 (auf dem Bild links vorne, gestern 7 Tage jung), wie Maria ihn nennt, kann Lumpi 1 nicht vom Sockel stossen. Niemals. Klar, habe ich meine Lieblinge im Stall – alles andere wäre gelogen. Luna, das Mami von Lumpi 1 natürlich. Sie habe ich gestern ausgiebig gestreichelt und ihr gedankt. Haiti, Nicki und überhaupt alle Baby-Kälber. Vor allem die Zwillinge. Heiliger Heuballen – sind die süss. Und wie die aneinander kleben. Es ist ein Zwillingspäärchen – das Stierli (Männchen) ist ein bisschen grösser als das Hüdi (Weibchen). Dafür war gestern Abend das Hüdi neugieriger und munterer, während das Stierli eigentlich nichts anderes tat als fressen und faulenzen.

Ich enthalte mich tunlichst eines Kommentars zur geschlechterspezifischen Interpretation dieses doch ziemlich auffälligen Aktivitäten-Unterschiedes und ziehe mich jetzt zurück, um ein bisschen in den Erinnerungen an Lumpi zu schwelgen.

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